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Geschichte und Reiseinformationen zu Bulgarien
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Bulgarien (bulgarisch България) ist eine Republik in Südosteuropa. Es
grenzt an Rumänien, Serbien, Mazedonien, Griechenland und die Türkei
und liegt am Schwarzen Meer.
Geschichte
Bulgarien war zuerst von den indogermanischen Thrakern und Makedoniern
bewohnt. Nach der Eroberung 29 v. Chr. durch die Römer begann die
Romanisierung der Bewohner. Auf dem Gebiet heutigen Bulgarien wurden
als Teile des römischen Reichs die Provinzen Macedonia, Thracia, Moesia
und Dacia etabliert. Seit dem 6. Jahrhundert drangen Slawen ein, 679
zusätzlich die turkstämmigen Protobulgaren unter Asparuch, die das
Erste Großbulgarische Reich mit Hauptstadt in Pliska (679/681 bis 802)
und Preslav (802 bis 1018) gründeten, das fast die ganze
Balkanhalbinsel umfasste.
Bemerkenswert ist, dass nach dem das Eindringen der Protobulgaren ein
mehrjähriger Krieg ausgelöst wurde, der damit endete, dass diese
sezessive Staatsgründung in einem völkerrechtlichen Vertrag neuerer
Prägung anerkannt wurde. Dies war für die damalige Praxis des
Völkerrechts ([[ius gentium]]) ein einmaliger Vorgang. Dieser vom
oströmischen Kaiser Konstantin IV. Pogonatos 681 geschlossene Vertrag
regelte befriedete Staatsgrenzen, ein Flottenmoratorium und eine
gewisse Tributpflichtigkeit Konstantinopels. Aus der Verschmelzung der
rund 10.000 Einwanderer mit der örtlichen Bevölkerung entstand das Volk
der Bulgaren, nach einer Übergangszeit der Völkertrennung, die darin
bestand, dass die protobulgarische Oberschicht die Staatsmacht
militärisch nach Innen und Außen sicherte.
Zar Boris I. von Bulgarien bezweckte als Staatsreligion das Christentum
für seinen Mehrvölkerstaat nutzbar zu machen und neben einer Stärkung
der zentralistischen Staatsgewalt nach römischem Vorbild auch eine
Homogenisierung der Völker zu erleichtern. In der Folge gingen die
Protobulgaren in der slawischen Bevölerungsmasse auf. Nach simultanen
Verhandlungen mit Rom und Konstantinopel trat er 864 zum
byzantininischen Christentum über, weshalb die Mehrzahl der Bulgaren
bis heute dem orthodoxen Glauben angehört. Auch die bulgarische Kultur
ist stark von der byzantinischen geprägt. Sein Sohn Simeon I.
(893-927), der bedeutendste Herrscher Bulgariens, besiegte die Serben,
errichtete das bulgarische Patriarchat und förderte die altbulgarische
Literatur. Auf sein Betreiben hin wurde das kyrillische Alphabet
entwickelt, um Bibelübersetzungen in die slawischen Sprachen und
ausgedehnte christliche Missionierungskampagnen bis tief in das Gebiet
des heutigen Russland zu ermöglichen. Aus diesem Grund gilt Bulgarien
als prägender Ursprung der sprachlichen und politischen Kultur vieler
slawischer Völker bis in die Neuzeit sowie der Orthodoxie.
Bulgarien war lange Zeit ein mächtiges Zarentum, das sich militärisch
mit dem Byzantinischen Reich messen konnte. In seiner wechselhaften
Ausdehnung umfasste es die Gebiete des heutigen Griechenlands,
Mazedonien, Serbien, Bosnien, Rumänien und kleine Teile der Ukraine.
Bis zur osmanischen Eroberung erfolgte keine Assimilation der
unterworfenen Völker, so dass sie unverändert ihre ethnische und
kulturelle Identität pflegen konnten. Die bei der ersten Reichsgründung
erwähnte Tributpflicht wechselte in den zahlreichen Kriegen mit Byzanz
die Seiten zugunsten des Siegers genauso traditionell wie die Gebiete
des heutigen Griechenlands. Diese kulminierten u.a. darin, dass nach
einer Niederlage der byzantinische Kaiser die gesamte bulgarische Armee
bis auf jeden Centurio blenden ließ, um eine dauerhafte Unterwerfung zu
ermöglichen. Ab 972 und 1018 kam Bulgarien unter die Herrschaft von
Byzanz.
Die Brüder Johann und Peter Asen errichteten das 2. Großbulgarische
Reich mit Hauptstadt in Veliko Tărnovo (Велико Търново), welches von
1186 bis 1393 bestand. Mit dem Niedergang von Byzanz während der
türkischen Eroberungen wurde auch Bulgarien ein Teil des erstarkenden
türkischen Reichs der Osmanen. 1393 bzw. 1398 kam ganz Bulgarien unter
türkische Herrschaft, die fast 500 Jahre andauerte. In dieser Zeit
hielten die Bulgaren der Islamisierung im Wesentlichen stand. Um 1800
erhob sich der geistig-nationale Widerstand, mit der Forderung nach
Unabhängigkeit. In Bulgarien kam es zu einer Ära der nationalen
Wiedergeburt (Възраждане). Ähnlich wie in Westeuropa knüpfte sie an
antike und frühere byzantinische Traditionen. Die blutigen
Niederschlagung eines Aufstands durch die Türken 1876, der an einem
Genozid grenzte und Empörung in ganz Europa auslöste, führte zum
russisch-türkischen Krieg 1877-78. Dieser wurde mit ungeahnter Härte
und massiven Verlusten auf beiden Seiten geführt. Nach einer
Hannibal-ähnlichen Überquerung der Donau und des Balkans mitten im
Winter siegten die russischen Truppen und rückten bis kurz vor İstanbul
vor, wo der Waffenstillstand von San Stefano geschlossen wurde.
Geographie
Bulgarien wird durch den Balkan (Стара Планина = Altes Gebirge) in die
nördlich gelegene Donauebene und die Oberthrakische Tiefebene im Süden
geteilt. Im Südwesten erheben sich die Rhodopen mit Pirin und
Rila-Gebirge. In letzterem befindet sich mit dem Musala (2925 m) die
höchste Erhebung Bulgariens und der Balkan-Halbinsel.
Im Osten grenzt Bulgarien an das Schwarze Meer. Die wichtigsten Flüsse
sind Donau (Grenze zu Rumänien), Mariza, Mesta, Struma, Iskar und
Jantra.
Bulgarien ist geprägt von gemäßigtem Kontinentalklima mit
Schwarzmeereinfluss im Osten und mediterranen Einflüssen im Süden. Die
mittleren Temperaturen betragen -2° bis 2° im Januar (um -10° im
Gebirge) und 19° bis 25° im Juli (um 10° im Gebirge). Im Jahresschnitt
fällt 450-600 mm Niederschlag (bis 1300 mm im Gebirge.)
Der Berliner Kongress errichtete ein Fürstentum Bulgarien als
konstitutionelle Monarchie, das aber dem Sultan tributpflichtig blieb.
Fürst Alexander von Battenberg (1879-86) versuchte innere Reformen und
besiegte die Serben, wurde aber durch eine von den Russen veranlasste
Verschwörung gestürzt. 1887 wurde Ferdinand von Coburg-Gotha
bulgarischer Fürst, der 1908 die völlige Loslösung von der Türkei
erklärte und den Titel als Zar annahm.
Die glänzenden Erfolge der bulgarischen Truppen im 1. Balkankrieg
(Eroberung von Adrianopel) wiederholten sich im 2. Balkankrieg nicht.
Während die bulgarische Streitmacht an der griechischen und serbischen
Front gebunden war, drangen die Rumänen bis nach Sofia vor, die Türken
eroberten Adrianopel wieder zurück.
Im Ersten und Zweiten Weltkrieg kämpfte Bulgarien auf der Seite der
Mittel- bzw. Achsenmächte. Dies war durch die engen Bindungen der
Monarchie zu Deutschland zu erklären. Das Königshaus und die
Bevölkerung widersetzten sich erfolgreich der Verfolgung und der
Deportation der bulgarischen Juden (Holocaust) durch die Nazis und
weigerten sich Truppen gegen die Russen an die Ostfront zu entsenden.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geriet Bulgarien unter
sowjetischen Einfluss und wurde Teil des Warschauer Paktes. 1946 wurde
es zur Republik.
Das Ende der kommunistischen Ära wurde 1990 durch freie Wahlen
eingeleitet. Seitdem wurden politische und wirtschaftliche Reformen
voran getrieben, ein Assoziationsabkommen mit der Europäischen Union
wurde unterzeichnet und weit gehend implementiert. Die
Betrittsverhandlungen wurden 2004 erfolgreich abgeschlossen und das
Land soll voraussichtlich 2007 Mitglied werden.
Verkehr
Bulgarien ist ein wichtiges Transitland zwischen Mitteleuropa und dem
Nahen Osten. Das Land besitzt ein dichtes Eisenbahn- und Straßennetz,
die sich jedoch nicht überall in gutem Zustand befinden. Flughäfen
befinden sich in Sofia, Plowdiw, Warna und Burgas, Seehäfen in den
letztgenannten beiden Städten.
Kultur
Die Bulgaren verfügen über eine große Tradition des Chorgesangs. Der
staatliche Chor wurde durch einen eigenen Stil sehr erfolgreich,
zahllose bulgarische Frauenchöre wie z.B. Angelite sind heute
international bekannt.
Bekannte bulgarische Sänger sind u.a. Ari Leschnikow, der von 1928 bis
zur Auflösung in den 30er Jahren den Comedian Harmonists als Tenor
angehörte und der Opernsänger Boris Christow, der als einer der
weltbesten Bassisten galt.
Bulgarien ist schon seit dem 13. und 14. Jahrhundert bekannt für seine
Ikonenmalerei. Die Vertreter der Malschule von Weliko Tarnowo
überschritten die überlieferten Regeln der traditionellen Ikonenmalerei
und schufen damit die bedeutendste eigenständige Schule der
ostkirchlichen Kunst.
Mit der bulgarischen Wiedergeburt nach dem Ende der türkischen
Besatzung entstanden überall im Land neue Kunstschulen. Die bekannteste
ist die Kunstschule von Samokow. Aus ihr gingen viele der Maler hervor,
die die Bemalung der Kirche im Kloster Rila ausführten, unter ihnen
Sacharij Sograph.
Bekannte Künstler der neueren Zeit sind Jules Pascin der 1885 in Vidin
geboren wurde. Eigentlich hieß er Julius Pinkas. Da er lange Zeit in
Frankreich verbrachte, wo er auch 1930 starb, wird er als
bulgarisch-französischer Maler und Grafiker bezeichnet.
Bekanntester lebender bulgarischer Künstler ist wohl Christo Jawaschew,
der unter seinem Vornamen und zusammen mit seiner Frau Jeanne-Claude
bekannt wurde. Er "verpackte" u.a. den Reichstag in Berlin und Pont
Neuf in Paris in Plastikfolie.
In Bulgarien hat auch das Puppentheater (nicht nur für Kinder) eine lange Tradition.
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